Entstaubte
Lieder
Fade
Ballade
Auf
menschenleeren Straßen
spazieren alte Chansons
sie schneiden blasse Grimassen
und haben triste Refrains
Entstaubte
alte Liedchen
zerschlissene Mäntelchen
von den Motten zerfressen
mit Refrains voll Tristesse
Einsame
Satiriker
flehen leise um Beifall
entstaubte alte Witze
eine spielerische Qual
Immer
dieselben Liedchen
immer dasselbe Kostüm
triste Poeten irren
in löchrigen Mänteln herum
Verschlissene
Balladen
flehen leise um Beifall
immer dieselbe Story
eine spielerische Qual
In
den verrauchten Cafés
sitzen verstaubte Lieder
mit blassen Melodien
ihre Pointen sind bieder
Einsame
Satiriker
von den Motten zerfressen
mit gleichen Melodien
und immer gleich besessen
Immer
dieselbe Geschichte
dasselbe Hundeleben
eben zerbrach mein Herzchen
deine Saite zerbrach eben
©
Urszula Usakowska-Wolff

Fot.
© Manfred Wolff
Der
Frühling
Mit
dem lockigen Flämmchen
will ich dich überall streicheln
dem Nachtigallkehlchen soll
diese Musik entweichen
Nähe soll uns immer begleiten
Es ist Frühling alle Sinne lachen
Es ist Frühling die Triebe erwachen
Mit
großer Lust und Liebe
willst du mich überall erfreuen
und im grünen Gewitter
soll dein Dasein erzittern
Liebe soll uns immer befeuern
Es
ist Frühling alle Sinne lachen
Es ist Frühling die Triebe erwachen
Die
Himmeldecke der Nähe
will ich für dich überall ausbreiten
dieses Kornblumenblau soll
uns in den Kopf steigen
Träume sollen uns immer begleiten
Es
ist Frühling alle Sinne lachen
Es ist Frühling die Triebe erwachen
Mit
einem Regen von Küssen
benetzt du im Dunkeln meine Haut
im goldnen Schimmer des Morgens
werde ich deine Braut
Lust sollen wir nie vermissen
Es
ist Frühling alle Sinne lachen
Es ist Frühling die Triebe erwachen
Im
Scharlachrot der Pfingstrose
wird uns die Welt zu Füßen liegen
die Wölkchen am Himmel sollen
uns liebkosen und wiegen
es ist gut im Grünen zu schmiegen
Es
ist Frühling alle Sinne lachen
Es ist Frühling die Triebe erwachen
©
Urszula Usakowska-Wolff

Fot.
© Manfred Wolff
Es
ist sündhaft zu sagen nein
Dich
möchte ich so beschämt küssen
mit meinem Gedanken der den Mund streift
und mit der Zungenspitze
dein Öhrchen voll erhitzen
mit Wörtlichkeit die nach Metaphern greift.
Es ist sündhaft zu sagen nein
zu einer Sünde nachts im Mai
Dich möcht ich in Gedanken lieben
mit meinem Herzen das im Reimtakt schlägt
und mit der Fingerspitze
in deine Haut tief einritzen
eine Metapher die Versuchung trägt.
Es ist sündhaft zu sagen nein
zu einer Sünde nachts im Mai
Mit dir will ich zum Himmel schweben
der mit Sternen uns zärtlich umhüllt
und im Schimmer der Blicke
deine Sehnsucht beglücken
mit der Parabel die niemals verglüht
Es ist sündhaft zu sagen nein
zu einer Sünde nachts im Mai
Mit dir möcht ich nach Wolken greifen
die am Morgen wie Träume verblassen
und mit lieblichen Gesten
deine Leidenschaft testen
im Spinngewebe aus Lust und Zauber.
Es ist sündhaft zu sagen nein
zu einer Sünde nachts im Mai
Mit dir möcht ich im Tau versinken
der im Hellen unsre Sinne benetzt
und im Eifer des Atems
dich ermuntern zu Taten
mit einer Strophe von Sonne durchsetzt
Es ist sündhaft zu sagen nein
zu einer Sünde nachts im Mai
Dich möcht ich am Tage bedecken
mit Küssen die in Klammern schimmern
und die Ausrufezeichen
werden uns stets begleiten
im vibrierenden lyrischen Grünen
Es ist sündhaft zu sagen nein
zu einer Sünde nachts im Mai
©
Urszula Usakowska-Wolff

Fot.
© Manfred Wolff
Sei
meine Muse sei
Werde
ich dich je so genießen
wie die Linde die dem Winde lauscht
werde ich dich je so vermissen
wie die Tinte die im Blute rauscht
werde ich mich nach dir so sehnen
wie nach Wiesen die im Mai erblühn
werde ich dich je so begehren
wie die Reime die in Versen glühn
Sei
meine Muse sein
leih mir die Feder leih
Werde
ich mich mit dir vergessen
wie die Sprache die sich lustvoll ergießt
werde ich mich mit dir so messen
wie das Wort das einer Qual entsprießt
werde ich zu dir so schnell eilen
wie die Blitze die in Sätzen toben
werde ich mich für dich so kleiden
wie ein sprichwörtlicher Regenbogen
Sei
meine Muse sei
leih mir die Reime leih
Werde
ich zu dir auch so flüstern
wie die Birke die vom Lichte erblasst
werde ich mich vor dir auch so plustern
wie der Kuckuck der in Worte gefasst
werde ich dich auch so umringen
wie Ideen die in Klammern glänzen
werde ich dich auch bezwingen
mit den Silben die auf Zungen tanzen
Sei
meine Muse sei
leih mir die Verse leih
Werde
ich für dich auch so singen
wie ein Vöglein das die Freiheit liebt
werde ich für dich auch so klingen
wie ein kunstvoll frivoles Liebeslied
werde ich mich mit dir auch so mühen
wie die Laute die auf Lippen kleben
werde ich mich mit dir vergnügen
auf ungereimten Irrwegen
Sei
meine Muse sei
leih mir die Feder leih
©
Urszula Usakowska-Wolff

Fot.
© Manfred Wolff
Blumigkeit
Vertrocknetes
Maiglöckchen im Blumenspiel
ich hab für Dich ein gewisses Gefühl
ich hab für Dich ein Gefühl der Wonne
Margarite Anemone Sonne
Ich
sehn mich sehn mich nach Dir
im Lied der Magnolie vor der Tür
Ein
vergessenes Gänseblümchen im Gras
ich hab für Dich eine Glut ohne Maß
ich hab für Dich eine Glut auf dem Rasen
Eichhörnchen Kaninchen Hasen
Ich
vergess mich vergess mich mit Dir
im Lied der Magnolie vor der Tür
Blinzelnde
Minze glänzt im Schatten
ich hab für Dich einen Rausch ohne Atem
ich hab für Dich einen Rausch ohne Gleichen
Nachtigallen Blaumeisen Blindschleichen
Ich
vertief mich vertief mich mit Dir
im Lied der Magnolie vor der Tür
Der
Duft der Hyazinthen strömt aus dem Garten
ich hab für Dich viele Sinnesarten
ich hab für Dich blühende Bäume
Etüden Balladen und Träume
Ich
tanze tanze tanze mit Dir
zum Lied der Magnolie vor der Tür
Verblühte
Lupinen vor dem Zaune
ich hab für Dich so manch schlechte Laune
ich hab für Dich Launen und Sorgen
am Abend am Mittag und am Morgen
Ich
erwache erwache mit Dir
im Lied der Magnolie vor der Tür
©
Urszula Usakowska-Wolff

Fot.
© Manfred Wolff
Ein
poetisches Briefchen
Im
Hörer klingt endlich deine ferne Stimme
und draußen jagt der Wind Papierdrachen
nasse Blätter dampfen in den Wasserlachen
meine Gedanken jagen dich und jagen
nasse Blätter trocknen spät am Abend
meine Sinne versagen ohne dich versagen
Ich
schicke dir also ein poetisches Briefchen
ein vertrocknetes Maiglöckchen Sommerfetzen
den Nebel flüchtigen Parfums
den Charme der zarten Morgenröte
In
der Magnolie wütet der Novemberwind
tote Blumen zittern klagen und weinen
Worte mühen sich schläfrig und blind
meine Gedanken gieren nach dir sie gieren
am kalten Finger erstarrt der Ehering
meine Sinne frieren ohne dich sie frieren
Ich
schicke dir also ein poetisches Briefchen
ein vertrocknetes Maiglöckchen Sommerfetzen
den Nebel flüchtigen Parfums
den Charme der zarten Morgenröte
Eine
fremde Stimme im Hörer sagt adé
und draußen ertrinkt der Schnee im Teich
nasse Flocken versinken gleich in der Pfütze
mein Leben ohne dich ist unnütze und seicht
den Himmel beziehen tausend graue Wolken
meine Sinne folgen dir sie folgen
Ich
schicke Dir also ein poetisches Briefchen
ein vertrocknetes Maiglöckchen Sommerfetzen
den Nebel flüchtigen Parfums
den Charme der zarten Morgenröte
©
Urszula Usakowska-Wolff

Fot.
© Manfred Wolff
Ach
es ist zu spät
Ja
es ist zu spät viel zu spät ach mein Lieber
für Ekstase Leidenschaften für die Liebe
für die Nächte in fremden Zimmern irgendwo
für stürmische Küsse und Seufzer im Auto
für Heimlichkeiten und für Beschwörungen
für Abschiede Schweigen Erinnerungen
Und
mein Herz ist von einem Riesenschmerz geschnürt
dass mein Mund deinen Mund nie liebkost und berührt
dass deine Lippen aus meiner Hand nie trinken
dass wir in der Natur nie versinken
dass ich meinen Schatten mit dir nie teile
und dass ich mit dir nur im Traum verweile
Ach
es ist zu spät viel zu spät ja mein Lieber
für Verzückung für Erfüllung für die Liebe
für das Zittern in Pensionen in Europa
für Begierde und die Sünden auf dem Sofa
für die Trennung für das Warten und Versöhnung
für heiße Tränen Migränen und Liebkosung
Eine
große Trauer nagt an meiner Seele
dass sich unsre Blicke leider nie vermählen
und dass deine Wangen mein Gesicht nie streifen
dass uns beide ja beileibe nichts erwartet
dass ich meine Wärme nicht mit dir teile
dass ich dich nur in Inspiration verwandle
Ja
es ist zu spät viel zu spät ach mein Lieber
für Affären Liebeleien für die Liebe
für Rendezvous außerhalb der Dienststunden
für diskrete Hotelsuiten und Weinrunden
für die Flammen und Dramen am Kaminofen
für Scheidungen große Szenen für das Hoffen
©
Urszula Usakowska-Wolff

Fot.
© Manfred Wolff
Gartenzwerg
tut es dir nicht weh?
(Dieser
Text ist eine Parodie des bekannten polnischen Volksliedes
"Góralu, czy ci nie zal?"- "Gorale, tut es
dir nicht weh?",
das von einem Goralen, Bewohner der Hohen Tatra handelt,
der nach Übersee ausgewandert ist und Sehnsucht nach den Bergen
hat;
also wird er aufgefordert, dorthin zurückzukehren)
War
ich ein kleines Mädchen
liebte ich Klara und Gretchen
versteckte sie unter der Schulbank
und nahm sie mit ins Bettchen
doch mein größtes Schätzchen
war der Plastik-Frank
Gartenzwerg
tut es dir nicht weh?
Gartenzwerg geh zu den Puppen geh!
War
ich ein großes Fräulein
liebte ich nur den Klaus
ich küsste seine Lippen
auf der Bank vor dem Haus
ich betrog mein Schätzlein
meinen Plastik-Frank
Gartenzwerg
tut es dir nicht weh?
Gartenzwerg geh zu den Puppen geh!
War
ich dann stolze Mutter
liebte ich nur meine Töchter
ich spielte mit ihnen Karten
und tobte mit ihnen im Garten
neidisch war mein Schatz
der Plastik-Franz
Gartenzwerg
tut es dir nicht weh?
Gartenzwerg geh zu den Puppen geh!
War
ich dann verlassen
und von allen vergessen
konnte ich lustvoll im Garten
seinen Kunstbart streicheln
Sein sanfter treuer Blick
bescherte mir bleibendes Glück
Ja mein einziger Schatz
ist der Plastik-Franz
Gartenzwerg
ist es dir nicht bange
dass du nicht zu den Puppen gegangen?
©
Urszula Usakowska-Wolff
Fotos
© Manfred
Wolff

Fot.
© Manfred Wolff
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Lieder auf dieser Seite ©
Urszula Usakowska-Wolff.
Sie
sind Nachdichtungen ihrer eigenen polnischen Lieder.
Die Musik dazu schrieb der Krakauer Komponist Leslaw Lic.
Sie gehören zum Repertoire der Sängerin Irena Urbanska
aus Krakau.