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Archiv
Versuch
es noch einmal.
Drück auf die Klinke.
Vielleicht öffnet sie sich von Neuem ...
... quietscht mit dem Rost der Erinnerung ...
Du
kommst herein.
Die
Zeit ist dort alt,
wie die Seele eines Bügeleisens,
wie ein Mörser ...
Seiten rieseln im Herbst des Papiers.
So ist ihr Ton, als ob irgendwo draußen
der Regen Nägel in die Leere der Tage schlägt.
Es wellt sich ein Meer von Fetzen.
Ihre Absichten zerreißen.
Aus der Schublade machen sie sich auf den Weg:
Dünste komischer Worte,
unwichtige Lieder,
schon sehr blasse Bilder,
Fahnen ...
... für Niemand ...
... zu Niemandem ...
Drück
auf die Klinke.
Geh weg.
Vielleicht
schließt sie sich wieder ...
1983
©
Erna Rosenstein
Übersetzung
© Urszula
Usakowska-Wolff und Manfred
Wolff
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Erna
Rosenstein: "Woher kam es zurück?", 1985. Fot.
© Jacek Kucharczyk
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Möbel
Ich
bin ein Takt aus dem Lied der Wohnung.
Es klingt auch für die Tauben.
Wenn es mich einst nicht mehr gibt,
wird hier mein Schatten singen.
Ich
komme aus der Unendlichkeit.
Sie währt für die Dahingegangenen.
Wenn hier nichts mehr ist -
meine Nacht wird hier sein
Und mein Tag.
Eine
goldbekrönte Uhr
misst die Zeit rückwärts.
Sie breitet die Träume der Spinnen
auf einer einsamen Wand.
Ein Mörser knackt ihr die Nüsse.
Ein Schaukelstuhl nickt.
Der Kanarienvogel im Käfig - ein Waisenkind
Wartet auf ein Willkommen...
Und
die goldbekrönte Uhr
Misst die Zeit rückwärts.
Die Anrichte steht ohne Sinn.
Sie zieht Fäden aus Staub.
Das Linnen wäscht den Kessel.
Vielleicht spielt er Klavier...
Vielleicht lacht der Kachelofen...
Die Gardinen entfacht der Wind...
1993
©
Erna Rosenstein
Übersetzung
© Urszula
Usakowska-Wolff und Manfred
Wolff
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Erna
Rosenstein: "Augen", 1970. Fot.
© Jacek Kucharczyk
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Hinter gesenkten Lidern
Auf
der Terrasse trocknen Gardinen.
Sie läuten sehr weit.
Kristallgläser schlafen.
Goldene Klinken schimmern.
Alles
versinkt in Teppichen.
Müll treibt im Fluss.
Ein Klavier im Spinngewebe
Flackert mit Fingern.
Seine Tasten spielen einen Walzer.
Pomeranzen
tanzen.
Und in der Küche nachts
Glänzt die Milch.
1993
©
Erna Rosenstein
Übersetzung
© Urszula
Usakowska-Wolff und Manfred
Wolff
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Erna
Rosenstein: "Das Buch der ewigen Erinnerung", 1995. Fot.
Jacek Kucharczyk
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Katze
Auf
vier Pfötchen eine kleine Göttin
der Zuversicht und Stille.
Du rolltest dein Weiß zusammen zu einem Wärmeknäuel.
Öffne die Äuglein und sprich.
Beide erinnern wir uns an dasselbe.
Beide sind wir einsam.
Ich kann mit dir in einer Sprache sprechen,
die keiner hört.
Versuch es auf meine Art.
Niemand wird etwas davon erfahren.
1977
©
Erna Rosenstein
Übersetzung
© Urszula
Usakowska-Wolff und Manfred
Wolff
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Erna
Rosenstein: "Ohne Titel", 1984.
Fot. © Jacek Kucharczyk
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Wärme
Drücke
mich an dich, auf dem ich liege.
Verweilen wir, Liebling.
Höre, was ich in dir denke.
Mit deiner Weichheit liebkose mich.
Küsse mit den Lippen der Dämmerung.
Bleiben wir so miteinander.
Streichle mich, warmes Bett.
Umarme mich.
1980
©
Erna Rosenstein
Übersetzung
© Urszula
Usakowska-Wolff und Manfred
Wolff
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Erna
Rosenstein: "Die Nacht fließt", 1996.
Fot. © Jacek Kucharczyk
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Der
Augenblick wird riesig
Ich
verstehe die Nichtigkeit eines jeden Tages.
Dessen der war und verging und dessen der kommen wird.
Ich verstehe die Nichtigkeit dieses gegenwärtigen Augenblicks,
der riesig wird.
Er will überall lasten.
So mächtig!
Und ich bin nicht mehr da.
Worte kreisen nur.
Helles verdunkelt sich.
Etwas will innehalten.
Ich verstehe und ich vermag nichts.
Die ganze Welt versteckt sich.
Bad
Oeynhausen, 22.11.1996
©
Erna Rosenstein
Übersetzung
© Urszula
Usakowska-Wolff und Manfred
Wolff
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Erna Rosenstein: "Sanftes Bild",
1996.
Fot. © Jacek Kucharczyk
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Ohne
Titel
Ich
weiß nicht, wo ich bin.
Wohin soll ich jetzt gehen?
Ich
frage die Stille.
Sie antwortet nicht.
Tag bedeckt mich mit Nacht.
Die Nacht mit Rauschen.
Frei
im Gefängnis.
Durchgestrichen mit Regen.
- Schatten meiner selbst -
- gefangen in Freiheit -
Ich wende mich ab
und stehe allein.
Ich
lausche. Ich atme
und spreche mit Luft
Bad
Oeynhausen, 14.03.1997
©
Erna Rosenstein
Übersetzung
© Urszula
Usakowska-Wolff und Manfred
Wolff
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Erna
Rosenstein: "Ein Augenblick in der Nacht", 1995.
Fot. © Jacek Kucharczyk
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Es
war? Es ist?
Alle
Namen glühen.
Flammen entfliehen dem Feuer.
Die Stille qualmt.Die Nacht schreit.
Schatten flüchten und leuchten.
Jahrhunderte pochen in den Uhren.
Augenblicke rieseln
auf den Grund des Steins.
Aus den Ritzen spritzt Blut
in dieses dunkle Loch.
Alle Lider schließen sich.
Niemand hört.
Es gibt nichts.
Alles dreht sich...Die Erde steht...
Die Glut erlischt.
Die Wurzeln dampfen.
Die Uhr zählt Minuten.
Immer noch.
©
Erna Rosenstein
Übersetzung
© Urszula
Usakowska-Wolff und Manfred
Wolff
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Erna
Rosenstein: "Jahrestag", 1991.
Fot. © Jacek Kucharczyk
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Undenkmal
Genossen
aus allen Träumen:
vereinigt euch in der Ferne des Vergessens.
Der Regen spült die Gräber weg.
Das Gewitter zerstreut den Gesang.
Die Luft hört diese Worte
sich selbst zum Trotz.
Blut
tropft.
Augenblicke huschen wie Mäuse davon.
1997
©
Erna Rosenstein
Übersetzung ©
Urszula Usakowska-Wolff und
Manfred Wolff
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Erna
Rosenstein: "Licht in den Fenstern".
Fot. © Jacek Kucharczyk
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Allaussage
In
meinem Kopf schlägt eine Uhr.
Im Mund eine bespielte Platte.
Ich bin eine Schaufensterpuppe.
Eine Staatsangehörige des Alls.
Mein
Wappen aus der Euromaschine.
Fahnen aus Hyperplakaten.
1997
©
Erna Rosenstein
Übersetzung
© Urszula
Usakowska-Wolff und Manfred
Wolff
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