TAGESGEDICHTE
Das
komplexe Ein und Aus der Maus
im Excel-Tabellenhaus
Bei
der Umstellung der Tabelle
achten Sie bitte auf die Zelle,
denn Sie können sie nach dem Markieren
an verschiedenen Stellen platzieren.
Drücken
Sie zuerst ganz entspannt
die linke Maustaste mit Ihrer Hand
Nun können Sie ohne Gefahren
auf den markierten Zellenrand fahren
und schon erkennen Sie leicht,
dass die flinke Maus einem weißen Pfeile gleicht.

So
können Sie Ihre graue(n) Zelle(n) nach Belieben
an die raue(n) Tabellenstelle(n) verschieben.
Drag and drop ist der Titel
und ein tipp topp Verschiebe-Mittel.
Wenn
Sie alles verschoben haben,
widmen Sie sich andren Aufgaben.
Zum Beispiel dem Kopieren,
wobei sie drag and drop salopp aktivieren.
Fahren Sie also wie bereits bekannt
auf den markierten Zellenrand
und drücken die Steuerungstaste fest:
Die Maus ist erfreut und besorgt den Rest.

Der
Rest ist ganz leicht,
wenn die Maus einem kleinen Pluszeichen
+ gleicht.
Jenes Symbol sagt nämlich aus:
Die Kopierung der Markierung
steht ins Haus.
Wenn
Sie eine neue Spalte einfügen,
wird sie immer auf der linken Seite liegen.
Fügen Sie eine neue Zeile ein,
wird ihr Platz oberhalb der alten sein.
Beim
Einfügen von neuen Zeilen und Spalten
müssen Sie sich an altbekannte Regeln halten:
Wenn Sie mit der rechten Maustaste auf ihre Köpfe klicken
und dann sofort den Befehl "Zellen einfügen" drücken,
schaffen Sie neue Segmente
in Ihrem Tabellen-Ambiente.

Beim
Löschen von überflüssigen Zeilen und Spalten
müssen Sie sich wie oben beschrieben verhalten.
"Zellen löschen!" - befehlen Sie diesmal Ihrer Maus,
und sie sorgt für Ordnung im Tabellenhaus.
So
können Sie nach Belieben
kopieren, löschen, einfügen und verschieben.
Die Tabelle bleibt immer präsent.
Sie steht auf einem festen Fundament.
Sie
können klicken und schalten,
drücken, verrücken und walten:
Die Maus ist ein treuer Geselle
an jeder Stelle Ihrer Tabelle
und bleibt Ihnen erhalten,
so lange Sie die Oberhand behalten.

Sie
können getrost
mit der Maus agieren
bis Sie Ihre letzte graue Zelle
in der Excel-Tabelle verlieren.
Na,
dann: Prost!
©
Urszula Usakowska-Wolff
Das
Pensum am Universum
Ich
habe eine Fähigkeit und ein Talent,
und die verfolgen
mich permanent:
In erster Linie
ist die Sprache
meine ziemlich
treue Sache.
Will ich oder
will ich nicht
sie ist immer
nah in Sicht
und macht in meinem
Munde
eine wortgewaltige
Runde.
Mit Intelligenz
und Effizienz
leiste ich meine
tägliche Präsenz
und mein Pensum
am Universum.
Mein Talent ist
auch das Management
und die Logistik
der Sophistik
verfolge ich mit
großer Artistik.
Verbal bestehe
ich im All
aus vielen Gedanken
und Phrasen,
die auf den Sprachwiesen
grasen
mit einer Herde
treuer Wiederkäuer,
die das Leben
kauen
vom Morgengrauen
zum Morgengrauen.
Sie halten sich
in Grenzen
der täglichen
Kompetenzen,
die ihr Dasein
fristen
auf diversen Listen
und die "ja"
sagen
ohne zu fragen
nach dem "warum?"
Der Rest bleibt
stumm.
©
Urszula Usakowska-Wolff
Edward Narkiewicz: "Der gebückte Pilz",
2002. Fot. © Mariusz Michalski
Wolllust
(Für Lisa
Meyer zu Küingdorf- statt Geburtstagstorte - einige gegarnte
Worte)
Stille Bildteppiche blicken
von den Wänden der Diele
und belangen viele Augen,
die an der Wollfülle
weich hängen bleiben.
Dort glücken
Blumen immerfort
und blauen auf kreuz und quer gewebten Auen
der eingefädelten Welt.
Nie verlassen
die Vögel
den verzwirnten Nebel.
Sie folgen dem Gewebe
Jahr für Jahr.
So reich umgarnt
vom Wirken einer Hand,
die alle Fäden hält
und nie aus dem Rahmen fällt.
©
Urszula Usakowska-Wolff
Lisa Meyer zu Küingdorf: "Vögel"
(Wandteppich). Fot. © Manfred Wolff
Ein
Lied zu Gerda Wagners Abschied
So
schnell vergangen die Zeit mit Dir.
Du gehst von dannen. Wir bleiben hier.
Gedanken
kreisen um diese Zeit.
Du warst so nahe und doch so weit.
Zu
schnell vergangen die vielen Tage.
Das Leben raste ohne zu fragen nach dem "Warum?"
Raste davon, hastig und stumm.
Doch
manche Stunde war uns gegeben,
in der wir wussten: so muss man leben.
Und
aus dem Vollen die tollen Dinge ins Rollen bringen.
Keine halben Sachen machen,
lachen, genießen und rachengoldig singen.
Vollmundig
und kundig Gedanken sprießen lassen,
mutige Entscheidungen fassen.
Kleingeister
bezwingen,
so dass die Hüter der schlichten Gemüter erblassen,
denn die Klasse kommt aus jeder Masse ans Licht.
Nun
mit einem neuen Leben in Sicht
gehst Du fort.
Wir
werden Dich herzlich und schmerzlich vermissen
in unserem krassen Badeort.
©
Urszula Usakowska-Wolff
Verweilen
(für
Gerlind)
Vielleicht
war es kein Zufall,
diese Ausstellung vor sieben Jahren.
Hinter den Bildern Menschen.
Ein wenig fremd.
Vertraut. Nahe.
Hinter
den Pinselstrichen und Linien:
eine lautlose Trauer.
Farbige Verzweiflung.
Hoffnungsvoll das Graue.
Und
rund um uns herum:
modisch leidende Seelen,
die für ihre kleinen Gebrechen
teure Kleider nähen.
Es
gibt kein Garn
aus dem man Nähe weben kann.
Nicht mit leeren Worten.
Nicht mit Zungen aus Blei.
In
einer entwerteten Welt
irren unsere Blicke.
Gäbe es doch Wolle
um Leere zu flicken.
Wer
in einem fremden Gesicht
das eigene erblicken vermag,
kann mit anderen teilen:
die Freude, die Trauer, das Leid.
Schwesterlich
verbrüdert.
Brüderlich verschwistert
brauchen wir für unsere Gefühle
keine falschen Gesten.
Es
gibt keine Grenzen
für dieses Verweilen.
Manchmal für, manchmal gegen.
Immer miteinander.
©
Urszula Usakowska-Wolff
Edward Narkiewicz: "Venus Giorgione", 2002.
Fot. © Mariusz Michalski
Hart
für Degenhart
Völker
hören keine Signale.
Altlinke kraulen die Saiten
ihrer Gitarre.
Triste Internationalisten nisten
in melancholischen Kisten.
Schale Vokale entspringen
ihren Lippen
wenn sie sich zwingen zu singen.
Leibliche Söhne
leiden an Migräne.
Frauen ergrauen vor dem
Morgengrauen.
Im Publikum lauschen Pastoren
mit sensiblen Ohren.
Morsche Geräusche können nicht täuschen:
Antifa ist wieder da!
Winke,
winke, winke,
flinke deutsche Linke!
Mit
geballtem Bla Bla.
©
Urszula Usakowska-Wolff
Jan Dobkowski: "Ohne Titel", 1999
Fax
für Ellen
Fuhr
- angesichts
der Aussicht auf ein ewiges Bild des Gesichts -
bleibende
Spur
Marode
Ode I
Auf
den Wogen der Dichtung
schweben meine Gedanken
in Richtung Pankow - Buchholz.
Dort wohnt der ganze Stolz der deutschen
Malerei.
Mit
süßem Schmerz durchdrungen
mein Herz!
Denn sie möchte mein Konterfei für die Ewigkeit festhalten!
Hängen wird es dann vielleicht
in Anstalten der schönen Muse.
O
Rosendunst der Kunst!
Meine ganze Gunst dir versprochen.
Der Wille ungebrochen mich dem Pinsel
hinzugeben.
Erst dann kommt eben die göttliche Einfalt.
Halt!
©
Urszula Usakowska-Wolff
Ellen Fuhr: "Glückwünsche 2001"
Orakel
vom Menetekel
Eine
Fingerübung in fünf Takten
(Diese
Fingerübung ist Werner Frits©h zu verdanken - in Andenken
an einige wörtliche Bedenken zur herbstli©hen Eingebung)
Prolog:
Sie s©hlug den Buchde©kel auf - und siehe da! - ein Menetekel
wi©h von der Seite und blieb so lange unter ihrer S©hädelde©ke
ste©ken, bis sie es mit einem Orakel vertrieb
I.
Die Na©ht im Lippis©hen
war metaphoris©h trieb die erste Oktoberfris©he
den Herbst ins Regal
auf einmal fielen gedru©kte Schre©ken
in den na©kten Rü©ken
und malten das Menetekel an die Wand
II.
Die Na©ht im Lippis©hen
war literaris©h vollbra©hte der letzte Bü©herwurm
im Fa©hwerk seine Tat
beim Abendmal ma©hte ein Mund die Runde
und nahm vor das Menetekel kein Blatt
III.
Die Na©ht im Lippis©hen
war kulinaris©h belegte gepflegte Salate
und Häppchen mit Pastell
kalte Platten liefen Sturm im Rei©h der Sinne
bli©kte ein Menetekel s©hnell über den Rand
IV.
Die Na©ht im Lippis©hen
war melancholis©h weinten die Wassermelonen
dem Sommer eine Träne nach
zum Glü©k zerbra©h eine Flas©he
auf der Stelle bringen S©herben
kein Menetekel um den Geist
V.
Die Na©ht im Lippis©hen
war theatralis©h fiel der letzte Tropfen ins Gewi©ht
das Menetekel stürzte von der De©ke
und trat nicht über die S©hwelle
gelähmt dur©h die Weite der kleinen Bühne
im Tunnel am Ende vom Licht
Epilog:
Menetekel sind Dämonen, die in den Orakeln wohnen. Sie sind im
Grunde zwei Vagabunden und empfinden keinen Ekel vor dem Geist der
Büchere©ke. Also, Vorhang runter! Und dann munter zum nä©hsten
Riß!
!!!© Bis©!!!
©
Urszula Usakowska-Wolff
Edward Narkiewicz: "Mädchen im Kosmos",
2002. Fot. © Mariusz Michalski
Sinn
der Medizin
!O!
wie die Welt
im Viagra-Fieber schwelgt
Alle Herren können nun
sechs Stunden ohne Erschöpfung
mit ihrem Tun
die Damen
in jeder Altersklasse und Position
durch Kondition
verwundern
Ein Fest der leichten Lust
und
ein Hieb für die Triebe
Kommissar Sex
regiert die Nationen
im maskulinen Body
giert der Stier
Prozakerprobte Ladys wissen
dass
sie für Liebe vieles leisten müssen
Dem Pharma-Wunder vertrauen
Bi-Männer und auch Bi-Frauen
ferner
Homos und Heteros
die sich dem Eros verschreiben
und
es ohne Unterbrechung treiben
Das Geschlecht hat´s heut nicht schlecht:
!Keine Diät für die Promiskuität!
Potenzsüchtige Viagristen stürmen
Rezeptbestsellerlisten
Konsequenzen der Impotenz sind viele:
!Pille für die globale Idylle!
!Prozak für die Seele!
!Viagra für alle Fälle!
Machodinger dringen im Tablettentakt vor
Medizin ist wieder echt gefragt und ihr Sinn
rührt am Nerv der Zeit
von den Qualen der Keuschheit
scheint
die Menschheit befreit
Abstinenz ist nicht mehr in
Tabletten stürmen alle Betten
und
auch kleine Leute wissen
dass sie immer können müssen
Viagra heißt das neue Stichwort
Viagra ist endlich da und sticht fort
mit garantiertem Erfolg
Massenständer aus dem Kassenstand der Forschung
!Pfizer
für die Herren der Täuschung!
©
Urszula Usakowska-Wolff
Jan Dobkowski: "Perverse Verse", 1998
Pfingsten
auf der Veste
Weißer
Jasmin lockt mit nassen Düften
zwei Mücken ficken in den Lüften
mit windigem Entzücken
eine Frau mit sehr dicken Beinen
hält ihren geblümten Rock
der auf der Veste von alleine flattert
Im Schlosscafé sitzen viele bunte Mützen
die sich für die Manneskraft und den Gerstensaft erhitzen
Pfingstmontag auf der Veste regiert die patriotische Geste.
Die Narben stehen den Mannen gut
legen Zeugnis ab vom Mut zum Blut
Starke Narbenflut treibt auch Österreicher
die sich mit geschlechtsspezifischen Stolz über ihre Antlitze
streichen
Schlagende teutscher Landen auf der Veste verbunden
an ihrem Narbengewebe wird Germania gesunden
und das teutonische Vaterland zum Marsch bereit am Mützenrand
Der Coburger Konvent ist überall präsent
Frauen dürfen auch zuschauen
wie sich Schlagende vereinen
und ihre toten Krieger beweinen.
Pfingstmontag auf der Veste regiert die maskuline Geste.
Das Vaterland schäumt in aller Munde
für rechte Werte schlägt die Stunde:
Recht und Ordnung und Totenkopf
beflügeln so manchen blonden Schopf.
Doch ab und zu - mit bumm bumm! - fällt ein Bruder einfach um
und landet in der Pfütze.
Und alle Mannen schwingen Fahnen
für Ahnen in Sondermützen.
©
Urszula Usakowska-Wolff
Weißer Jasmin. Fot. © Manfred Wolff
Shopping
in der Mall
Die
Straße der Träume ist bepflanzt mit falschen Bäumen
wie echt grünt das satte Gras in künstlichen Marmorrabatten
unter vielen Türmchen aus Glas im Einkaufspalast
Endverbraucherparadies ist hier auf Schritt und Tritt
mit täglich neuen Sonderangeboten zum Verweilen
in der Einkaufsmeile ist das Geld noch heil.
Shopping
ist Doping für das Publikum
in der Ladenzeile
Der Bummel im Rummel hat Boom
und vertreibt die Langeweile ins Regal.
Konsum ist nicht einfach dumm
Konsum glückt global.
In der Einkaufsmeile ist die Welt noch geil.
Demnächst
auch im All:
Shopping in der Mall.
©
Urszula Usakowska-Wolff
Ellen Fuhr: "Weihnachtsgrüße 1998"
Das
Rad der Tat
Ein (r)echter
Mensch läßt sich auf das Sein
manchmal gar nicht so gerne ein.
Er hält die Augen nur halb offen,
doch auch das macht ihn ganz betroffen.
Er hört nur jenes, was er will,
doch auch das ist ihm noch zu viel.
Er möchte seines Weges gehen,
macht einen Schritt - schon bleibt er stehen,
tritt auf der Stelle, dreht sich herum,
möchte laut schreien und bleibt ganz stumm.
Er möchte seinen Nächsten lieben
doch Sünden lauern - alle sieben
verführen ihn zur Reue, immer aufs Neue
möchte er büßen und entschlacken,
mit Fasten alle Laster packen.
Den Wein verbannt er ins Regal
und wählt des Krautsafts bittre Qual.
Er scheint geläutert und befreit,
bis einer nach ihm greift,
den viele Namen zieren.
So läßt er sich verführen
zu einer abgrundtiefen Tat
und dreht des Lebens launisches Rad,
hin- und hergerissen zwischen Erhabenheit und Sottiesen.
Ist er denn seines Glückes Schmied?
Steht er denn immer in Reih und Glied
mit allen Sinnen auf der Erde
der grenzenlosen Herde?
Ein Geist, der
es nie packt.
Ein Geist, der stets versagt.
©
Urszula Usakowska-Wolff
Alle
Rechte vorbehalten.
Ellen
Fuhr: "Weihnachtsgrüße 1998"