| Jacek
B. Grunwald
Symbole
Für
Frau Grazyna Schaefer
Im
himmelblauen Interieur
ein schwarzes Kaninchen
das dem Rauschen des Gesprächs
behutsam lauscht
verspeist einsam das Frühstück.
Den
Sand der Träume
spülen wir
mit der Dame im schwarzen Pelz
mit stark gebrühtem Tee;
die Decke des Himmels
dämpft den Sinn
der geschwollenen Begriffe.
Ihre
Glut irgendwie gespenstisch
birgt die Sorge
um die nationalen,
immer darin gegenwärtigen Symbole;
von jenen schwarz-weißen
gibt es mehr
als von den weiß-roten.
24.04.97
©
Jacek B. Grunwald
Deutsche
Übersetzung
©
Urszula Usakowska-Wolff und
Manfred-Wolff

Chinesische
Landschaft
In
die Ferne
des gelben Flusses
gleitet leuchtendes Licht.
Boote
gleiten
scharf schattig
aus den Lüften geschnitten;
ihre Böden biegen sich
vom Sand.
Fluss
der Zeit
welk, verblasst,
rissig und weiß
wie das Los seit eh und je beschieden -
Rose des Bösen
Teerose.
©
Jacek B. Grunwald
Deutsche
Übersetzung
©
Urszula Usakowska-Wolff und
Manfred-Wolff

Irgendwo
in Lübeck
Manche
Menschen hinterlassen schwindende Schatten
im schwingendem Gras
spinnen sie Angst.
Tagsüber
tragen Feueranbeter
das Sonnensymbol zur Schau;
in ihren Mündern wirbeln
grobe Trommeln.
Brauner
Geruch sickert in die Nase,
in massiven Fäusten Schnittblumen
werden auf den glühenden Scheiterhaufen geworfen.
Es
tut gut in aller Früh zu sterben,
wenn das Grün vom Rauch verschleiert;
im tief sitzenden Bauch des Himmels
saugt das Preußischblau die Rauchfahnen
genüsslich auf...
In
den Brandstätten irgendwo in Lübeck
brechen erloschene Schatten irgendwelcher Menschen
mit kümmerlichen Schritten zum Spaziergang auf,
in der Hoffnung, ihr schwarzes Gebet
möge sie durch den rötlichen Feuerschein mit Gott verbinden,
der im Feuer der Begierde auch schwarz zu sein scheint.
Lübeck,
Juni 1997
©
Jacek B. Grunwald
Deutsche
Übersetzung
© Urszula
Usakowska-Wolff und Manfred-Wolff

Unbeendet
in der Mitte der Nacht
Auf
der Flucht
vor dem Tod ins Nichtsein
und vor dem Nichtsein in den Tod,
vor dem Hass,
vor dem Mitleid,
vor der Polizei,
vor den Gedanken und dem Schicksal,
vor dem Dämon der Vergangenheit
und der Herkunft,
vor den Spuren
des g e w e s e n e n Menschen,
auf der Suche nach dem Vergessen,
im Rausch,
in der Hitze der Nacht,
in der letzten Anspannung
unweit vom Washington Square
in N.Y.
ohne Aussichten,
immer aufs Neue,
tausendfache Kopie -
der sinnlosen
Erwartungen
©
Jacek B. Grunwald
Deutsche
Übersetzung
©
Urszula Usakowska-Wolff und
Manfred-Wolff

Die
letzte Fahrt W. A. Mozarts
(Ein
Brief aus dem Jenseits)
Was
für eine seltsame Musik,
wenn die Räder quietschen,
das Hufeisen
auf den Stein schlägt,
und der Flammen vergießende
Laternenträger
mit heiserer Stimme flucht.
Ich
schwebe im schluchzenden Schlamm,
in der dritten Klasse
(8 Gulden und 56 Kreuzar)
zum Ort der ewigen
Begegnungen,
in einer Stadt halb kaiserlich,
halb königlich.
Man
hat mich unbequem gebettet!
Es
ist der 6. oder 7. Dezember anno 1791
und es regnet vielleicht,
vielleicht mit Schnee dazwischen -
ich bin mir da
nicht sicher.
Zur
"Goldenen" oder "Silbernen Schlange"
werden schon die Pokale erhoben -
im Dunst der Freude, der Seelenqual
oder in der Trauer der Verzweiflung.
Noch
einige Klänge
des Hufeisenschlags
und da ist schon die Grube,
eine Hand voll Kalk,
einige Spaten voll Schlamm.
Niemand errichtet
ein unbezahltes Kreuz,
niemand hängt einen Kranz auf.
Der
Fluch des Laternenträgers ist Salbung für mich!
PS
Jemand
hat diese Partitur
für Hufeisenschlag,
für Teufel und Spaten
sehr geschickt komponiert.
Was meinst du, Constanze?
Wien, Juli 1995
©
Jacek B. Grunwald
Deutsche
Übersetzung
©
Urszula Usakowska-Wolff und
Manfred-Wolff
JACEK
B. GRUNWALD
Der
Dichter, Prosaist, Journalist und Historiker Jacek B. Grunwald wurde 1948
geboren. In den 1970er Jahren wirkte er als Regisseur und Bühnenautor
für das Studententheater. Er nahm an den internationalen Theaterfestivals
in Wroclaw (Breslau), Nancy und San Sebastian teil und arbeitete auch
mit französischen Theatern zusammen. Bis zum 13. Dezember 1981 (Einführung
des Kriegsrechts in Polen) war er Journalist des Rundfunks- und Fernsehkomitees
in Warschau. Seit 1984 wohnt er in Saarbrücken, wo er Chefredakteur
sowohl der polnischsprachigen Fernsehsendung "Kontakty" im Kulturteil
des Senders "TV-Saar" als auch der polnischsprachigen Radiosendung
"Polsaar" des "Offenen Kanals" in Saarbrücken
ist.
Jacek
B. Grunwald veröffentlichte mehrere Gedichtbände, zuletzt "Struktura
Pragnienia" ("Die Struktur des Verlangens") im Verlag "Wers"
in Opole (Oppeln).
©
Urszula Usakowska-Wolff

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