IRENA SENDLER

15.02.1910 - 12.05.2008

Irena Sendler, September 2007, Warschau. Foto © Anna Mieszkowska
Irena Sendler, September 2007, Warschau. Foto © Anna Mieszkowska

In dem Morgenstunden des 12. Mai 2008 starb in Warschau im Alter von 98 Jahren Irena Sendler, eine mutige und bescheidene Frau, die während des Zweiten Weltkriegs zur Rettung von 2.500 Kinder aus dem Warschauer Ghetto beigetragen hatte. Dank Anna Mieszkowska, deren Buch über Irena Sendler mein Mann Manfred Wolff und ich für die DVA ins Deutsche übersetzt hatten, lernte ich Irena Sendler kennen und konnte sie einige Male in ihrem kleinen Zimmer im Pflegeheim der Barmherzigen Brüder in Warschau besuchen. Sie wehrte sich stets dagegen, als Heldin bezeichnet zu werden, denn sie habe nur das getan, was ein anständiger Mensch tun sollte: den Notleidenden, Schwachen und Verfolgten helfen. Lange Zeit vergessen, wurde ihr am Ende ihres Lebens, als sie ihr Zimmer nicht mehr verlassen, geschweige denn reisen konnte, das Interesse der Öffentlichkeit zuteil. Besonders angetan war sie von der Resonanz ihrer Biografie in den deutschsprachigen Ländern, vor allem in Deutschland. Anna Mieszkowska, die Autorin der Irena-Sendler-Biografie, und ich, hatten die Gelegenheit, das Leben und die Leistungen dieser außerordentlichen Frau vor Erwachsenen und Jugendlichen u.a. in Leipzig, Detmold, Düsseldorf, Berlin, Wien, Nürnberg und München vorzustellen. Die Lesungen in Bibliotheken, Kultureinrichtungen und Schulen, zu denen Hunderte von Menschen erschienen, dauerten nicht selten über drei Stunden und könnten noch länger sein, denn das Interesse an dieser kleinen zierlichen Frau mit einem ungebrochenen Willen, auch in Zeiten größter Menschenverachtung, die zur Menschenvernichtung führte, die Menschlichkeit zu bewahren und zu verteidigen, fesselten die Menschen. Irena Sendler hat mit ihrem ganzen Leben bewiesen, dass man auch in den schlechtesten Zeiten Gutes tun muss, weil das die Pflicht eines jeden anständigen Menschen ist. Und das bleibt gültig - über ihren Tod hinaus.  

Text © Urszula Usakowska-Wolff

12.05.2008

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